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Dokumentarfilm, 2025Laufzeit: 25 MinutenFormat: 4:3, Farbe, Stereo oder 5.1Sprache: Deutsch, Englisch (Untertitel)
Eine in die Jahre gekommene Osho-Kommune in Hessen. Der Traum von Erleuchtung und freier Liebe hallt noch nach, doch der Wind der Veränderung weht unaufhaltsam.Was bedeuten die Utopien der 1980er Jahre noch? Wie eine Antwort finden auf die sich aufdrängende Vergänglichkeit?Wahhab ist Hausmeister der alternden Lebensgemeinschaft und setzt dem Verklingen der Dinge seinen entschlossenen Akkuschrauber entgegen. Ein Film über das Älterwerden, das Bewahren und Loslassen, alte Ideale und neue Wirklichkeiten.
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In den 1970er und 1980er Jahren zog der indische Guru Bhagwan – später bekannt als Osho – tausende junge Menschen im Westen in seinen Bann. Durch Meditation, Tanz und Gesang strebten sie nach spiritueller wie sexueller Befreiung. Als Sannyasin nahmen sie neue Namen an, kleideten sich in Orange und errichteten weltweit Kommunen. Die Netflix-Dokuserie Wild Wild Country beleuchtete 2018 die Verheißungen, Machtspiele und Gewaltausbrüche innerhalb der Bewegung, während der ARD-Film Bhagwan – Die Deutschen und der Guru 2021 erstmals auf die deutschen Anhänger*innen Oshos schaute.
Einer von ihnen war Graf Sittich von Berlepsch aus Nordhessen: 1984 kehrte er aus Indien zurück und gründete auf dem familieneigenen Gutshof in Hübenthal eine Kommune. Heute leben immer noch etwa 70 Menschen in der spirituellen Lebensgemeinschaft Parimal. Doch die Bewohner*innen werden älter, der Glanz von Osho und die Aufbruchstimmung der 1980er Jahre verblassen. Viele ziehen sich ins Private zurück. Junge Menschen kommen kaum nach. Unser Film gewährt einen nahen und poetischen Blick auf die alternde Kommune und ihre Mitglieder – anhand des Protagonisten Wahhab.
Mit Wahhab Günter Köhle und der Parimal Lebensgemeinschaft
Buch und Regie: Raphael Schanz
Bildgestaltung: Philipp Seifert
Montage: Reiner Krausz / BFS
Ton: Andres Condon, Raphael Schanz
Sound Design und Tonmischung: Thomas Rother
Foley Artist: Johanna Roth
Coloristin: Verena Puttrich
Titel- und Posterdesign: Leon Schniewind
Produktion: panther reh
Gefördert von Hessenfilm & Medien
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Wie klingt das Ende? „Wahhab, Hausmeister“ ist eine Spurensuche nach dem, was vergeht – und dem, was bleibt. Die Osho-Kommune war einst ein Ort der Aufbrüche und großen Träume. Heute sind die Rebell*innen von damals älter geworden, anders. Doch die Vergangenheit ist nicht verschwunden, sie schwingt nach, in Ritualen, in Erinnerungen, in den Dingen.
Ich habe diesen Ort lange gekannt, meine Mutter lebte zehn Jahre bis zu ihrem Tod dort. Seitdem ist es auch ein Schauplatz meiner Erinnerungen. Mit der Zeit verblassen sie, so wie alles, was einst lebendig war. Mich fasziniert die Poesie des Endes. Das Hineinwirken der Vergangenheit in die Gegenwart genauso wie der Einfluss von Zukunftsvorstellungen auf das Jetzt. Die feinen Brüche und Übergänge zwischen Vergehen und Entstehen.
Wann hört etwas auf, lebendig zu sein? Orte, Begegnungen, Ideen, Menschen. Ist es ein Ende mit einem Paukenschlag, einem Schlussstrich? Oder eher ein Ausfaden wie ein Gong, der langsam verklingt? Ist jedes Ende auch gleichzeitig der Anfang von etwas Neuem? Oder kann das Neue nur als Parallelentwicklung zum Ende von etwas Altem verstanden werden?
In „Wahhab, Hausmeister“ geht es um das leise Vergehen der Dinge, ohne es zu merken. Der Film erzählt von dem Gefühl, eines Tages aufzuwachen und zu merken, dass die Form, die ich um mich herum gebaut habe, nicht mehr zu mir passt. Es geht darum, die Ruinen hinter den Fassaden zu entlarven – sie aber gleichzeitig als Teil unseres Weges zu umarmen. Denn die Vergänglichkeit ist nicht unser Feind, sondern eine leise Gefährtin, die uns ausmacht und inspiriert.
Raphael Schanz